Einen Entenlocker drechseln, von Anfang bis Ende.
Ein Rohling, ein Bausatz-Einsatz, ein Abend an der Drechselbank - und ein Locker, der am Morgen der Eröffnung funktioniert. Das ist der Bau, mit dem fast jeder Lockerbauer anfängt: die gestimmte Stimme kommt als Patrone, und du machst den hölzernen Korpus, der sie trägt, was heißt: dein erster Locker kann nicht misslingen, und dein zehnter wird schön.
Keine Drechselbank? Schritt drei enthält den ehrlichen Weg mit der Bohrmaschine, der schon Tausende vollkommen brauchbare Locker hervorgebracht hat.
Was du brauchst
🦆 Material
- Ein fertiger Einsatz aus dem Bausatz. Das vorgestimmte Innenleben - Tonplatte, Zunge und Keil in einer geschlossenen Patrone. Den Einsatz zu kaufen und den Korpus selbst zu machen, ist der klassische erste Bau; das Stimmen der Zunge kommt später in diesem Hobby.
- Ein Hartholzrohling. Etwa 38 x 38 x 76 mm: Nussbaum, Osagedorn, Ahornmaser oder ein Stück vom eigenen Baum - der Korpus ist so klein, dass Funde vom Holzstapel taugen.
- Schleifpapier 120-600 und ein Finish. Tungöl, eine Friktionspolitur an der Drechselbank, oder Sekundenkleber-Finish für den glasigen Glanz.
🧰 Werkzeug
- Eine Drechselbank (oder der Bohrmaschinenweg unten). Eine kleine Drechselbank mit einer Spindelröhre ist der klassische Weg; Schritt drei nennt die Alternative ohne Drechselbank ehrlich.
- Forstner- oder Zentrierspitzenbohrer. Die Bohrung ist gestuft: eine Größe für den Sitz des Einsatzes, eine kleinere durch den Rest.
- Messschieber. Der Sitz des Einsatzes ist ein gemessener Sitz, keine Schätzung.
- Augenschutz und Staubmaske. An Drechselbank und Bohrmaschine gleichermaßen nicht verhandelbar.
Der Bau, Schritt für Schritt
1Verstehen, was du baust
Ein Entenlocker besteht aus zwei Teilen: dem Einsatz (Tonplatte, Zunge, Keil - die eigentliche Stimme) und dem Korpus (dem Griff und Resonanzraum, den du gleich machst). Die Klanggestaltung in einem Satz: die Zunge schwingt an der Wölbung der Tonplatte, wenn Luft darüberreißt, und Länge und Volumen der Bohrung im Korpus färben dieses raue Schnarren zu einem Quaken. Einsätze aus dem Bausatz kommen gestimmt an, was aus einer schwarzen Kunst ein Holzprojekt macht - dein Korpus entscheidet über das Aussehen und ein wenig über die Tiefe des Klangs, und nichts, was du mit ihm anstellst, kann den Locker unbrauchbar machen. Deshalb ist der erste Locker jedes Lockerbauers ein Korpus auf einem gekauften Einsatz - und die nächsten hundert meistens auch.
2Zuerst die gestufte Bohrung
Bohren vor Formen, immer - ein mittiges Loch in einem kantigen Rohling ist leicht, ein mittiges Loch in einem fertig gerundeten Korpus ist Glück. Miss den Einsatz: üblich sind ein Sitzdurchmesser um 16 mm für den Kopf mit den O-Ringen und eine Durchgangsbohrung um 13 mm für die Luftsäule (das Blatt deines Bausatzes nennt die genauen Maße - glaub ihm mehr als jeder Seite). Spann den Rohling aufrecht, bohr den weiten Sitz auf die Tiefe des Einsatzes, dann die schmale Bohrung durch den Rest, beides vom selben Ende und genau in einer Flucht. Probesitz: der Einsatz soll sich auf seinen O-Ringen satt hineinschieben lassen - fester Daumendruck, kein Schlegel, kein Klappern. Hier entscheidet die Passung; alles danach ist Kosmetik.
3Den Korpus drechseln (oder ohne Drechselbank formen)
Weg an der Drechselbank: spann den gebohrten Rohling auf einen Dorn für Kugelschreiber oder zwischen eine Kegelspitze und das gebohrte Ende, und dreh die klassische Form - ein dicker Ring am Einsatzende (der »Ringbereich«), eine sanfte Taille für die Finger, ein ausgestelltes Mundende - mit einer Spindelröhre, die Fase führend, mit Gesichtsschutz und engen Ärmeln. Es ist eine Spindelübung von zwanzig Minuten und ein wunderbares erstes Drechselprojekt. Keine Drechselbank? Die ehrliche Alternative: spann das gebohrte Ende auf eine lange Schraube mit Scheiben in eine an der Werkbank festgeklemmte Bohrmaschine, dreh langsam und form mit Raspeln und Körnung 80 gegen das laufende Holz - eine Drechselbank des armen Mannes, die schon Tausende ansehnliche Locker hervorgebracht hat. So oder so: schleif die Körnungen durch, während es läuft.
4Ein Finish für nasse Hände
Entenlocker leben in Regen, Spucke und Taschenkrümeln, das Finish ist also zuerst praktisch: mehrere dünne Schichten Tung- oder Dänisches Öl, zwischen den Schichten aufpoliert (der warme, griffige Klassiker), eine Friktionspolitur an der Drechselbank (schnell und glänzend), oder dünner Sekundenkleber, geschliffen und auf Glas poliert (der moderne Wettkampf-Look und am wasserfestesten). Öl auch die Bohrung - einmal nass mit einer Schnur durchgezogen. Welches Finish es auch wird: lass es vollständig aushärten, bevor der Locker an deinen Mund kommt; die Überarbeitungszeit auf der Packung ist nicht die Aushärtezeit.
5Den Einsatz setzen und den Locker kennenlernen
Schieb den Einsatz hinein und blas: ein tiefes Knurren mit weicher Luft, ein scharfes Quaken mit einem harten Stoß Luft aus dem Zwerchfell (»sag VUT hinein«, wie es jeder Lehrmeister ausdrückt), eine fallende Entenfolge, wenn du Quaklaute aneinanderreihst. Klingt die Stimme dünn, zieh den Einsatz und setz ihn neu - schlecht dichtende O-Ringe sind der Kobold Nummer eins bei neuen Lockern. Von hier aus öffnet sich das Kaninchenloch genau so tief, wie du magst: Zungen abziehen, Tonplatten neu profilieren und eigene Einsätze mit Korkkeil schneiden sind die Hochschule, und die Seite zum Lockerbau zeichnet diesen Weg. Dein Korpus aber ist fertig - und kein gekaufter Locker liegt je so in der Tasche wie der vom eigenen Baum.
6Das Kaninchenloch, vermessen
Lockerdrechseln ist bekanntlich süchtiger machend als die Entensaison selbst: dieselbe Logik aus gestufter Bohrung plus Einsatz ergibt Gänselocker (anderer Einsatz, größere Bohrung), Fieprohre für Hirsche (weicher Schlauch über einem Zungeneinsatz) und Raubwildquietscher. Drechsler treiben ab zu Maserholz, zu Korpussen mit Geweihring (eine Kronenscheibe als Ring verklebt - hier reichen sich zwei Handwerke dieses Hubs die Hand) und zu Verzierungen mit dem Brandkolben. Ein fertiger Locker am Band ist außerdem das zuverlässigst geschätzte handgemachte Geschenk, das die jagende Welt kennt - so wird aus einem Bausatz-Einsatz eine jährliche Winterproduktion. Du bist hiermit gewarnt.